Liebe Leserinnen und Leser!
Auf der Suche nach einer Idee für diesen Artikel fiel mir folgende Geschichte eines mir unbekannten Autors in die Hände: Es ist Sonntag. Die Gemeinde feiert Gottesdienst. Die Kirche ist mal gerade mäßig besetzt. Der Pfarrer hält seine Predigt. Plötzlich bricht er ab und starrt lange, sehr lange an die Decke des Kirchenschiffs.

HlGeistAlle werden wach und folgen dem Blick des Pfarrers, finden aber das Ziel seines Blicks nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit fährt der Pfarrer mit seiner Predigt fort. Nach dem Gottesdienst wollen einige engagierte Gemeindemitglieder wissen: „Herr Pfarrer, was war denn, dass Sie die Predigt mittendrin unterbrachen?“ – „Ach, nichts weiter. Ich hatte eine Erscheinung.“ – „Was für eine Erscheinung?“ – „Das möchte ich nicht sagen“, wehrt der Pfarrer ab und vertröstet auf den nächsten Sonntag. Die Nachricht verbreitet sich in der folgenden Woche wie ein Lauffeuer durch die Gemeinde: „Der Pfarrer hatte eine Erscheinung!“

Am nächsten Sonntag ist die Kirche proppenvoll. Alle sind gespannt. Schließlich rückt der Pfarrer mit der Sprache heraus: „Ich hatte eine Alterserscheinung. Ich wusste einfach nicht mehr weiter!“
Die Erscheinung, dass wir schon mal steckenbleiben und nicht mehr weiter wissen, ist sicherlich jedem schon einmal passiert. Das ist menschlich und auch irgendwie liebenswert.

In den nächsten Tagen feiern wir das Pfingstfest. Auch hier geht es um Erscheinung, aber um eine göttliche Erscheinung, um die Erscheinung des Heiligen Geistes. In der Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir am Pfingstsonntag, wie sich „Zungen wie von Feuer“ auf die versammelten Menschen niederließen und diese Menschen auf diese Weise vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Und diese Menschen begannen miteinander zu sprechen, obwohl sie zuvor die Sprache der anderen nicht verstanden. Was für eine Erscheinung! Was für eine Wirkkraft dieses Geistes!
Aber ist ein Geist nicht üblicherweise unsichtbar? Ja, so ist es wohl, und wenn wir in der Bibel suchen, so finden wir weitaus mehr Stellen, die von diesem unsichtbaren Geist sprechen. Im hebräischen Urtext des Alten Testaments wird in diesem Zusammenhang das Wort „Ruach“ gebraucht, im Neuen Testament steht das griechische Wort „Pneuma“ für das, was wir mit „Heiliger Geist“ übersetzten. „Ruach“ und „Pneuma“ sind aber eher mit Hauch, Luft oder Wind zu übersetzen. Diese Worte beschreiben einen der Wesenszüge, die in der Trinität Gottes ausschließlich dem Heiligen Geist zugesprochen werden: So wie die Luft, die mal als kräftiger, brausender Sturm, als sanfte Brise oder kaum merklicher Hauch uns umgibt, spüren wir den Heiligen Geist mal mehr, mal weniger, manchmal aber auch gar nicht und trotzdem ist er immer präsent. Ohne die Luft, die uns umgibt, können wir nicht atmen – ohne den Heiligen Geist nicht glauben! Das belegen die vielen Schriftstellen im Neuen Testament, die beschreiben, was der Heilige Geist tut, was er bewirkt.

Unser Weihbischof Karl Borsch hat einmal in einer Predigt zur Firmung den Heiligen Geist mit einem Navigationsgerät im Auto verglichen. Sinngemäß führte er aus, dass da jemand ist, der, für uns völlig unsichtbar, unser Ziel genau kennt und uns auf dem besten, sichersten, direktesten Weg dorthin leiten will und kann. Das Navi kann in unterschiedlichen Stimmen zu uns sprechen. Es reagiert auf alle Unwägbarkeiten, ob ein Stau oder eine Baustelle die Strecke versperrt, oder ob ich in einem unaufmerksamen Moment doch die falsche Fahrspur genommen habe und mich in einer Sackgasse festgefahren habe, oder ob ich sonst wie meinen Weg, mein Ziel aus den Augen verloren habe. Die Stimme aus dem Navi sagt mir sofort, wie ich dennoch weiter vorankommen kann, wie ich wieder auf den richtigen Weg zurückfinde. Allerdings kann mir das Navi eines nicht abnehmen: Ich steuere meinen Wagen immer noch selbst! Ich selbst entscheide, ob ich auf die Stimme des Navigationsgerätes höre und vertraue, oder nicht.

War die Alterserscheinung des Pfarrers nicht doch eine Eingebung, eine Erscheinung des Heiligen Geistes? – Erst blieb er in seiner Predigt stecken, wusste nicht weiter, doch dann zeigte der Geist Gottes ihm einen neuen Weg.
Und auch dieses Phänomen ist uns allen bekannt. Wir alle kennen die innere Stimme in uns, die versucht uns zu leiten, die uns zur Vorsicht mahnt, die uns Alternativen aufzeigt, die uns Auswege aus Sackgassen offenbart. Diese Stimme ist, so bin ich sicher, der Heilige Geist, die enge Verbindung zwischen Jesus Christus und jedem einzelnen Gläubigen. Er bringt uns weiter, er zeigt uns Neues, er teilt uns immer wieder die wichtige Botschaft Gottes mit. Mit ihm bleiben wir nicht stecken, sondern kommen (wieder) in Bewegung.

Hören und vertrauen wir dieser Stimme! Lassen wir uns vom Heiligen Geist zu unserem Ziel, zu Gott, führen! Frohe Pfingsten!

Ihr Diakon Günter Schiffeler

 

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