Blick zurück / aus: "50 Jahre neue Kirche":

 

Kirchenchor St. Bonifatius

Mit der Pfarrgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart eng verbunden ist der Kirchenchor der Gemeinde. In seinen Ursprüngen als Männergesangverein „Amicitia" 1845 in der Nagel­schmiede des Gastwirts Laurenz Müller in der Gasthausstraße gegründet, hat der Chor viele Wandlungen erfahren.

Erster Chorleiter wurde der seit dem 13. Juni 1843 in Dürwiß tätige Lehrer Reiner Jackels. Der Verein blühte unter seiner begabten Leitung auf. 1866 gab Lehrer Jackels die Leitung an seinen Schüler, den Küster Hubert Linnartz, ab.

Neben dem festlichen Gesang in den Gottesdiensten wurde das gesellige Leben in dem Männergesangverein großgeschrieben. Zur Kirmes fanden regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen statt. Pfarrer Gottfried Nießen, ein eifriger Förderer des Chores, veranlasste in einer neuen Satzung vom 13. Februar 1902, dass der Hauptzweck des Chores die Pflege des kirchlichen Gesanges zur Verschönerung der Gottesdienste wurde.

Präses des Gesangvereins war der jeweilige Ortspfarrer. Das Fest der Patro­nin des Chores, der heiligen Cäcilia, am 22. November wurde im Gottes­dienst und mit einer Familienfeier festlich begangen.

52Chor bNachfolger des 1909 verstorbenen Dirigenten Linnartz wurde der Küster Jakob Ahrens. Der 1. Weltkrieg führte wegen der Einberufungen zu einem Einschnitt im Vereinsleben.

In den zwanziger Jahren gab es mehrere Dirigentenwechsel: Auf Jakob Ahrens folgten 1922 Jakob Wolff und Josef Hannen, ein früheres Chormit­glied aus Eschweiler.

Ein Versuch, 1923 unter Mitwirkung von Knaben einen gemischten Chor zu bilden, scheiterte bald.

Ein großer Freund und Förderer des Chores war Kaplan Wilhelm Dauffenbach, der 1926 nach Dürwiß berufen wurde. Er war musisch hochbegabt und zu seiner Zeit eine führende Persönlichkeit im Bereich der Kirchenmusik. Er schuf als Textdichter in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Prof. Josef Haas bedeutende Werke der Kirchenmusik. Kaplan Dauffenbach war u. a. Textdichter der Speyerer Domfestmesse, die 1930 vom Dürwisser Kirchenchor uraufgeführt wurde und seit dieser Zeit im sonntäglichen Hochamt oft gesungen wurde. Geburtsstunde des gemischten Chores war 1928. Am 2. Weihnachtstag des Jahres wurde zum erstenmal in der Kirche mit Frauen und Männern gesungen. Nach mehreren Dirigentenwechseln zu Beginn der dreißiger Jahre übernahm Leo Brocker 1934 die Leitung des gemischten Chores. Seinem musikalischen Können ist es zu verdanken, dass die Umgestaltung vom Männerchor zum gemischten Chor gelang.

Leo Brocker leitete den Chor 23 Jahre bis 1957. Nach den Einbrüchen im 2. Weltkrieg durch Kriegsdienst und Evakuierung 1944 gelang es Leo Brocker, in der Notkirche am Zehnthof einen neuen Anfang zu machen. Am 24. November 1946 wurde mit einjähriger Verspätung das 100-jährige Bestehen des Kirchenchores gefeiert. Es wurde mit einer kirchenmusikalischen Andacht in der Notkirche und einem Liederabend im Saal Schröteler in schlichter Form begangen.

Trotz der Nachkriegsnot im zerstörten Ort und der Not der heimkehrenden Flüchtlinge und Kriegsgefangenen festigte sich der Chor besonders unter dem langjährigen Vorsitzenden Peter Clermont, der 1948 die Nachfolge von Andreas Müller antrat. Er blieb es fast 2 Jahrzehnte bis 1967. In der Christnacht 1951 sang der Chor erstmals in der neu erbauten Kirche. Am 27. November 1958 übernahm Ludwig Hellenthal die musikalische Lei­tung des Chores. Unter seinem Dirigat gab es viele bedeutende Aufführun­gen kirchlicher und weltlicher Chorwerke. Die Einführung moderner Kir­chenmusik und die Pflege des Männerchoralgesangs gehören mit zu Ludwig Hellenthals Verdiensten um den Kirchenchor. Im Jubiläumsjahr 1970 zählte der Chor 43 Sängerinnen und Sänger, darunter auch eine Zahl junger Kräfte. Unter dem Vorsitzenden Fritz Joder wurde das 125-jährige Bestehen festlich gefeiert. Neben der Gestaltung der Messe an den kirchlichen Festtagen und zu anderen Anlässen im Kirchenjahr wird auch die Pflege der Geselligkeit im Dürwisser Kirchenchor großgeschrieben.

Zur Karnevalszeit freuten sich alle auf die „karnevalistische Chorprobe", die seit 1981 wie eine Karnevalssitzung mit dem Auftritt eigener Kräfte gestaltet wird. Das jährliche Cäcilienfest ist ein geselliger Höhepunkt im Chorleben. Im zweijährigen Turnus geht der Chor auf große Fahrt. Berlin-Fahrten, Rei­sen nach München, Dresden, Paris, Rom, Wien, Straßburg, Anras in Tirol, nach Prag und Budapest seit 1977 sind in bester Erinnerung. Unter dem Vorsitzenden Josef Schmitz wurde das 150-jährige Jubiläum 1995 mit mehreren Höhepunkten das ganze Jahr gefeiert. Einer Festmesse im Januar folgte eine Ausstellung in der Sparkasse und eine weitere Festmesse Anfang September mit einem Tiroler Wochenende mit dem Kirchenchor und der Musikkapelle Anras aus Tirol. Chorleiter Ludwig Hellenthal wurde nach 40 Jahren 1998 in den Ruhestand verabschiedet. Er hat sich in diesen vier Jahrzehnten um den Kirchenchor verdient gemacht.

Möge der Chor als Teil der Gemeinde, zu ihrer Freude und zum Lob Gottes noch viele Jahre seine Stimmen erklingen lassen!

 


SeiteVorderansicht 16col75pxAus:               "50 Jahre neue Kirche"
Herausgeber:   Kath. Pfarrgemeinde St. Bonifatius, Eschweiler-Dürwiß (2002)
Texte:              Simon Küpper und Hans Nelles
Fotos:             Archiv H. Nelles, Nachlaß Pfarrer Bringmann, Archiv des Eschweiler Geschichtsvereins und Privatbesitz

 

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