Als ich begonnen habe, mir über diesen Artikel Gedanken zu machen, befanden wir uns in den Anfängen der Coronakrise, und es war noch nicht klar, ob die Abschlussprüfungen an den verschiedenen Schultypen wirklich stattfinden können. Dies ist nun entschieden, und es lohnt sich, einen Blick auf die Herausforderungen zu werfen, die mit dem Schulabschluss bestehen und die durch die Coronakrise verschärft worden sind.

Schuelerin Wie alle Schüler (mit dieser Form sind auch im Folgenden ausdrücklich männliche und weibliche Personen gemeint) mussten auch die Prüflinge vorzeitig auf geregelten Unterricht verzichten. Die Lehrer arbeiteten im Homeoffice - und tun dies zum Teil heute noch tageweise. So wurden und werden die Schüler mit Unterrichts- und Übungsmaterial versorgt. Den Unterricht im Kurs oder in der Klasse wird aber mancher Schüler vermisst haben. Die Qualität des Lernens hängt eben nicht alleine vom rationalen Begreifen und der Quantität des Übens ab. Die Lerngruppe und die persönlichen Beziehungen sind ein wichtiger Motivationsfaktor und fördern den Prozess des individuellen Aneignens. Zu Hause ist das so nicht möglich. Eine große Herausforderung für junge Menschen, die mit einem möglichst guten Schulabschluss für Bewerbungen auf dem Arbeitsmarkt oder für Studienfächer, die mit Numerus clausus belegt sind, gerüstet sein wollen. Ich denke, dass viele Schüler und auch deren Eltern manch harte Zeiten miteinander durchleben mussten.

Lehrer und Schulleitungen unternahmen große Anstrengungen und sind immer noch kreativ in der Unterstützung der Schüler, vor allem der Prüflinge. So wurde Übungsmaterial digital über Homepages, Clouds oder per E-Mail zur Verfügung gestellt.
Durch zusätzlich eingerichtete Telefonsprechzeiten konnten Fragen der Schüler ganz persönlich aufgegriffen und beantwortet werden. So konnte ein Stück „Lernalltag“ hergestellt werden, der auch der Chancengleichheit der Schüler bei unterschiedlichen technischen Voraussetzungen zugutekam.

Wer eine solche Zeit der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen seiner Schullaufbahn erlebt hat und selber die Frage für sich noch nicht hat klären können, wie es nach der Schulzeit weiter geht, der hat es sicher besonders schwer. Die Herausforderung mit dem Prüfungsdruck plus der inneren Unklarheit bezüglich des zukünftigen Weges umzugehen, fand keine hilfreich stabilisierende Struktur durch einen von außen geregelten Schul- und Lernalltag. Eine schwierige Zeit für einen jungen Menschen, und von den Eltern erforderte dies zusätzliche Geduld.
Ganz normal ist es jedoch, dass mit dem Ende des ersten Bildungsabschnittes existentielle Fragen für den jungen Menschen im Raume stehen. Ob und wie sie zum Zeitpunkt der Beendigung der Schullaufbahn geklärt werden können, hängt von vielen Faktoren ab, z.B. der persönlichen Entwicklung und Reifung, der Ausprägung der Identität und der Werteorientierung für das eigene Leben. Für die Erwachsenen, die junge Menschen begleiten dürfen, ist es ein Balanceakt, diesen Wachstums- und Reifungsprozess nicht mit bohrenden und bedrängenden Fragen und Vorhaltungen zu belegen. Es braucht eine andere Art der Kommunikation, um das vorhandene Interesse an den ungeklärten Fragen zu bewahren und im offenen Gespräch zu bleiben. Es ist eine große Aufgabe, dem jungen Menschen in dieser Situation ein Ansprechpartner zu sein, der ihn mit Respekt und Zuversicht in dessen individueller Entwicklung „sieht“ und ihm durch diese Haltung Zutrauen schenkt.

Viele junge Menschen in unseren Schulen legen in diesen Wochen ihre Prüfungen ab. Sie stehen am Ende eines Lebensabschnitts und durchleben einen Prozess, bei dem jeder seine Zeit braucht und sein eigenes Tempo hat. Wünschen wir den jungen Menschen hierfür gute und hilfreiche Begleiter in den Familien, Freundeskreisen und Schulen und vor allem den Eltern viel Kraft und Geduld. Gottes Geist und Segen für ein gutes Gelingen in schwierigen Zeiten und für den wichtigen Übergang in einen neuen Lebensabschnitt.

Frank Klinkenberg,
Pastoralreferent/Schulseelsorger an der Bischöflichen Liebfrauenschule

 

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Ansprechpartnerin

Heike Sorgenfrey

   Pfarrbüro St. Bonifatius
     Eschweiler-Dürwiß
     Dürwisser Kirchweg 1b,
    
52249 Eschweiler

   Tel: 02403/52356

   Fax: 02403/53854

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© Bild: Robert Stiller

 

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